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Top Golf | 07.03.08

Traumplätze am Ende der Welt

Vergessen Sie für diesen speziellen Fall alles, was Sie jemals über Golf in Neuseeland gehört haben, dass am „schönsten Ende der Welt“ die Plätze leicht zugänglich, der Sport volkstümlich und die Greenfees fast immer billig, aber zumindest preisgünstig sind.

Kauri Cliffs und Cape Kidnappers sind genau das Gegenteil. Beide Plätze sind mit weitem Abstand die teuersten des Landes – und das obwohl sie mitten im Niemandsland liegen. Kauri Cliffs liegt rund eine halbe Autostunde nördlich von Kerikeri oder gut dreieinhalb Autostunden nördlich von Auckland, Cape Kidnappers findet man in der Hawkes Bay nahe Napier und Hastings. Die Runde schlägt auf beiden Plätzen in der Hauptsaison (1. Oktober bis 30. April) mit 400 Neuseeland-Dollar (ca. 211 Euro – ein NZ-Dollar entspricht etwa einer alten D-Mark) zu Buche, dazu kommen noch einmal 70 NZ-Dollar für einen Caddie, 35 für einen Golfwagen oder 10 für einen Handkarren. Die dazugehörige Lodge in Kauri Cliffs mit ihren in acht Cottages untergebrachten 16 Suiten – alle mit Verandas, von denen man auf den Pazifik schaut - verlangt für die Übernachtung im Doppelzimmer pro Person 850 NZ-Dollar (inklusive Frühstück, Aperitif und Abendessen). Die Farm at Cape Kidnappers verlangt mit 990 NZ-Dollar sogar noch mehr – beides Spitzenpreise für das ansonsten erschwingliche Urlaubsland, dessen Preisniveau nicht nur beim Golf unter dem Deutschlands liegt.

Kauri Cliffs und vor allem Cape Kidnappers halten freilich nicht nur bei den Preisen die absolute Spitzenposition der beiden Inseln im Südpazifik. Cape Kidnappers gilt unumstritten als der mit Abstand beste des Landes. In der Liste der Top 100 Golf Courses der Welt des amerikanischen Golf Magazine wird der von dem Amerikaner Tom Doak entworfene Platz an der Steilküste auf Platz 27 geführt. Die einmalige Lage hoch über den Klippen von Matauri Bay und Cape Kidnappers haben sowohl Doak wie auch den mittlerweile verstorbene amerikanische Kollegen David Harman in Kauri Cliffs zu Meisterwerken inspiriert. Der Designer aus Orlando (Florida) hat 18 Löcher in Kauri Cliffs so fantastisch in die Landschaft gelegt, dass einem beim Spielen fast der Atem stockt. Von 15 Löchern genießt man einen Rundumblick auf den Pazifik, sechs Spielbahnen laufen direkt an der Steilküste entlang, die fast hundert Meter zum Ozean hin abfällt entlang. Hin und wieder gilt es, den Ball über das unten lauernde Meer oder den Strand zu befördern. Selbst die Löcher ohne Meeresblick, viele davon mit den Namen gebenden Kauri-Bäumen gesäumt, sind ebenso gelungen. Die Blicke auf die Matauri Bay und die Cavalli-Inseln sind so spektakulär, dass man über die Aussicht manchmal fast die Konzentration auf die Schläge vergisst. Cape Kidnappers, das seinen Namen trägt, weil dort der Maori-Übersetzer des englischen Entdeckers und Eroberers Captain Cook 1769 entführt wurde, ist vielleicht noch einen Touch spektakulärer. Besonders die zweiten neun Löcher sind so eng an die Steilküste geschmiegt, dass einem vor Begeisterung die Worte fehlen. „Dieses großartige Stück Land lässt einen Golfplatz-Architekten wie ein Genie aussehen,“ sagt Doak voller Bescheidenheit.

Höchst wahrscheinlich trifft man in einem der Clubhäuser auf den Eigentümer der gesamten Anlage, einen 75 Jahre alten Amerikaner. Der Mann heißt Julien Robertson, ist in North Carolina geboren und lebt in  New York. Vier Monate im amerikanischen Winter, wenn in Neuseeland Sommer ist, verbringt er mit seiner Frau Josie in Kauri Cliffs oder Cape Kidnappers, seinen Altersruhesitzen. Robertson galt einst als der erfolgreichste amerikanische Investmentberater. Mit seinen Hedgefonds Tiger, Jaguar und Puma verwaltete er auf dem Höhepunkt seiner Karriere im Sommer 1998 über 25 Milliarden US-Dollar. Forbes führte ihn 1999 als Nummer 139 der reichsten Amerikaner mit einem Vermögen von 1,7 Milliarden Dollar. Im März 2000 musste Robertson seine Fonds schließen, das Setzen auf Aktien wie der maroden Fluglinie U.S. Airways kostete ihn das Vertrauen seiner Anleger, die ihn in Scharen verließen. So teilte er seinen Geldgebern im März 2000 mit, dass er vom sich verändernden Markt nichts verstehe und er sich deshalb aus dem Geschäftsleben zurückziehe. Genug Geld, um seine Passion Golf zu pflegen, hat er noch immer, auf Massentourismus ist er nicht angewiesen. „Unsere Greenfee-Preise bewegen sich auf dem Niveau ähnlicher US-Resorts“, sagt Robertson.

Mit dieser Preispolitik hat er sich in Neuseeland wenig Freunde gemacht. Für viele „Kiwis“ war er die Inkarnation des „ugly American“, des hässlichen Amerikaners. Viele Neuseeländer feindeten ihn wegen der exorbitanten Greenfees und Hotelpreise an. Mittlerweile hat Robertson eine Konzession an sein Gastland gemacht. Mitglieder neuseeländischer Golfclubs, die in Neuseeland leben, zahlen ein reduziertes Greenfee von 225 NZ-Dollar, aber selbst das klingt für die Einheimischen noch Schwindel erregend, denn in Millbrook, dem Top-Resort in Arrowtown auf der Südinsel, beträgt das Greenfee für Ausländer in der Hochsaison 165 und für Hausgäste 70 NZ-Dollar, für Mitglieder des neuseeländischen und australischen Golfverbands nur 85 NZ-Dollar. Ob einem eine Runde Golf mehr als 200 Euro wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Aber wer soviel Geld ausgibt, wird zumindest nicht enttäuscht. Kauri Cliffs und Cape Kidnappers sind ein überaus spektakuläres Golferlebnis, eines, das in der gesamten Welt seinesgleichen sucht.

 

Info: www.kauricliffs.com und www.capekidnappers.com

 


Von: Helma Scheffler