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Top Gourmet | 12.03.09

Eine deutsche Erfolgsgeschichte: Riesling-Legende Geheimrat „J“ feiert 25. Geburtstag

Als Norbert Holderrieth 1983 mit einer visionären Idee den Grundstein für eine deutsche Erfolgsgeschichte legte, standen die Zeichen günstig für mutige Unternehmungen. Die Stimmung im Land war gut. Doch nicht alle Weinfreunde waren offen für Holderrieths Projekt. Ganz im Gegenteil. Was war es, was für Diskussionsstoff im Rheingau und in der Welt des Weines sorgte?

In Zeiten, in denen liebliche Weine ganz vorne auf der Beliebtheitsskala rangierten und deutsche Weine zu den billigsten der Welt zählten, wagte der heute im Ruhestand lebende Gutsverwalter der Weingüter Wegeler ein Experiment: Er setzte kompromisslos auf trocken – und das im ultra premium Segment.
Zu Ehren des Firmenbegründers Julius Wegeler stellte der vorausschauende Kopf eine große trockene Spätlese aus den besten Riesling-Parzellen der Rheingauer Rebhänge zusammen. Das war die Geburtsstunde des legendären Geheimrat „J“. Es dauerte nicht allzu lange, da mussten nicht nur berühmte Weinnasen bekennen, dass den Weingütern Wegeler mit dem Geheimrat „J“ ein großer Wurf gelungen war. In diesen Tagen kommt der 25. Jahrgang der Riesling-Legende auf den Markt. Die Liste der Vormerkungen für den 2007er Geheimrat „J“ ist lang. Auch Anja und Dr. Tom Drieseberg, die heute die Geschicke der Weingüter Wegeler leiten, freuen sich auf ihn.
Nicht in jedem Jahr reicht die Traubenqualität aus, um diesen Spitzenwein auf die Flasche und ins Glas bringen zu können. Dann wird ausgesetzt, und die Hoffnungen aller Geheimrat „J“ Fans richten sich auf den nächsten Jahrgang.  Er wird erst kurz vor Weihnachten des Folgejahres trinkreif. Auf sein Eintreffen wartet man nur allzu gerne. Wie kaum ein anderer Wein hat sich dieser finessenreiche Riesling mit dem einprägsamen Namen in den Köpfen all’ der Menschen festgesetzt, die sich blind auf eine Marke von gleich bleibender Qualität verlassen möchten. Von den Weinkarten rund um die Welt ist die große trockene Spätlese aus den besten Riesling Parzellen des Rheingaus nicht mehr wegzudenken. Und auch die Sommeliers, bekannt und geschätzt als Botschafter edler Tropfen, lieben „ihren“  Geheimrat „J“. Mindestens zwei Gründe sprechen aus ihrer Sicht für den Kultwein: Die Qualität des Weines, der aus bis zu 16 Ersten Gewächs Lagen vinifiziert wird, stimmt und der Bekanntheitsgrad auch.
Praxistipp: Wer gerne Meeresfrüchte und weißes Fleisch genießt, ist mit der 2005 Geheimrat „J“ Spätlese trocken gut beraten. Doch mindestens ebenso spannend ist der Geheimrat „J“ aus älteren Jahrgängen. Der 2001er zum Beispiel präsentiert sich glockenrein und herzhaft fruchtig. Er passt sehr gut zu einem gebratenen Kalbsrücken, zu Steinpilz Risotto oder auch zu einem getrüffelten Püree. Der Wein wird von Weinautor Peter Lewandowski in seinem Buch „Die größten Rieslinge der Welt“ wie folgt beschrieben:  „Das Flaggschiff der Rheingauer Wegeler-Rieslinge ist der Geheim Rat »J«, der zu Ehren des Gutsgründers Julius Wegeler kreiert wurde. Eine Cuvée aus trockenen Spätlesen der besten Lagen, ein Konzept, das dem französischen Château-Gedanken nahe kommt. Wie auch die anderen Weine der Kollektion 2001 ist dieser fulminante Riesling von faszinierender Reinheit. Seine kristallklare Rieslingfrucht, mit zarter Süße im Hintergrund, vermählt sich mit rassiger Säure; die würzigen Kräutertöne des Terroirs vollenden das Geschmacksbild zu einem kraftvollen Riesling mit Charakter, Charme und großartigem Reifepotenzial. Er wird mit den Jahren eindringlicher, souveräner und milder – wie sein ehrwürdiger Pate, der Geheime Commerzienrat Julius Wegeler“. Der Wein kostet um die 22,- Euro und schmeckt auch solo einen ganzen Abend lang. Circa 10 Jahre kann er spielend bei sachgemäßer Lagerung aufgehoben werden.

Auch interessant: Seit 1987 gibt es auch einen Premium-Sekt, Rheingau Riesling Brut, der den Namen des Geheimrats trägt. Gekrönte Häupter wie Kaiser Hirohito von Japan und die Queen von England ließen sich die edlen Perlen auf der Zunge zergehen. Und beim Staatsbankett in Berlin empfing Bundespräsident Köhler seinen Ehrengast, den chinesischen Staatspräsident Jintao Hu, mit einem Sektglas, gefüllt mit Geheimrat „J“.