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Top News | 10.11.08

Riva: Im Fahrwasser einer Legende

Die Wellen schlagen sacht an den blanken Mahagonirumpf des Bootes, während es sich scheinbar mühelos seinen Weg durch die Fluten bahnt, stetig dem Horizont entgegen…

 

Betrachtet man die Kunstwerke des Fotografen Olaf Tamm, so kann man den Wind in den Haaren förmlich spüren, der einen bei einer Fahrt auf einem Motorboot umspielt. Doch handelt es sich nun nicht um irgendein Boot, das hier wie eine Nussschale auf den Wellen tanzt, denn Olaf Tamm hat auf seinen Fotografien die Legende des italienischen Bootsbaues schlechthin dokumentiert- RIVA. Der Name ist ein Synonym für  Eleganz, Qualität und Leistung,  was schon Brigitte Bardot, Jean-Paul Belmondo, Sophia Loren und König Hussein von Jordanien zu schätzen wussten, und stellt auch heute noch ein Statussymbol für die Reichen und Schönen der Gesellschaft dar.

Eine beeindruckende Dokumentation dieser einzigartigen Boote findet sich im Werk Olaf Tamms wieder, den eine schicksalshafte Begegnung mit einer realen Riva derart nachhaltig beeindruckte, dass er sich entschloss, diesbezüglich ein größeres Projekt zu schaffen. Der Künstler, der schon als Jugendlicher seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte und diese in der Berliner Berufsfachschule für Fotografie in professionelle Bahnen lenkte, arbeitet seit 1992 in Hamburg als selbstständiger Künstler. Seine Affinität zu Italien, die von seiner Leidenschaft zu italienischen Motorrädern herrührt (er selbst fährt seit 25 Jahren italienische Maschinen), führte ihn schließlich auch zu den Ikonen des Bootsbaues in Italien; nicht ganz ohne Hindernisse, wie Tamm schmunzelnd bemerkt, denn seine Neugierde ließ ihn einem Schild mit der Aufschrift „Riva del Garda“ folgen, in der Annahme, er hätte den Herkunftsort der Riva-Boote entdeckt, doch übersah er dabei, dass riva im Italienischen schlichtweg „Ufer“ bedeutet. Den wirklichen Standort der Riva-Werft in Sarnico am Lago d`Iseo sollte er noch oft genug besuchen.

An diesem Ort begann im Jahre 1842 der Weg der Familie Riva, der ihnen einen Platz in der Geschichte des Bootbaues sichern sollte. Der 20-jährige Pietro Riva, ein Gelegenheitshandwerker, der bei Bedarf auch Bootsreparaturen durchführte, bekam den Auftrag, zwei Boote wieder funktionstüchtig zu machen, an denen ein Sturm seine Zeichen hinterlassen hatte. Dies erledigte er derart geschickt, dass weitere Aufträge ihm schon bald den Aufbau einer eigenen Bootswerkstatt in Sarnico ermöglichten. Die Geschäfte übergab er schließlich seinem Sohn Ernesto, doch hielt das Schicksal einen harten Schlag für die Familie bereit. Ernesto kam bei einem tragischen Bootsunfall ums Leben und so musste sein Bruder Serafino die Leitung der Werft übernehmen. Er schaffte es trotz dieser Tragödie, eine weitere Stufe des weltweiten Erfolgs zu erklimmen, indem er das erste echte racing boat baute. In den Jahren zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg stieg die Nachfrage nach Motorbooten, welche die Riva-Familie nicht nur decken konnte, sondern durch die Eleganz und den Luxus ihrer Boote in neue Bahnen lenkte. In den 50er und 60er Jahren führte dies unter Serafinos Sohn Carlo Riva zu Produkten, die heute wahre Legenden sind. Seine Forderung nach Leistung und Qualität, kombiniert mit einem untrüglichen Gespür für ästhetisches Design, prägte RIVA und schuf den Mythos, der sich um diese Boote rankt und eine magische Anziehungskraft auf viele adlige, reiche und berühmte Persönlichkeiten ausübt.

Eben diesen Mythos versucht Olaf Tamm in seiner Buchedition über RIVA zu ergründen. Das vierbändige Werk, das im Mai 2007 nach sieben Jahren intensiver Arbeit seine Vollendung erfuhr, basiert auf einer Idee Tamms, die ein denkwürdiges Treffen mit Carlo Riva im Künstler entstehen ließ. Eine Ausstellung Tamms in Mailand, die Fotos der italienischen Luxus-Boote zeigte, stellt hierbei wohl das Schlüsselerlebnis dar. Zwar war Riva am Besuch der Ausstellung verhindert, doch lud er Olaf Tamm zwei Tage später telefonisch nach Sarnico ein. Das zunächst einstündig ansetzte Treffen stellte  sich für beide Seiten jedoch als derart faszinierend heraus,  dass man bis in die frühen Abendstunden in Gespräche vertieft war. Wie sehr Tamm diese erste Begegnung bewegt hat, ist auch Jahre später noch spürbar, schließlich sei Carlo Riva „der große Don italienischer Bootsbauer“, wie er feststellt. So ist es wenig verwunderlich, dass dieses Ereignis die Geburtsstunde der Buchedition darstellt. 2000/2001 war die Idee des  Künstlers ausgereift und er schlug sie Carlo Riva vor, worauf häufige Besuche bei Riva in Italien, sowie Zusammenkünfte auf RIVA-Treffen der „RIVA historical society“ in der ganzen Welt folgten.

Besonders reizvoll findet Olaf Tamm dabei die Tatsache, dass ein schönes Objekt ungewöhnlich in Szene gesetzt wird. Dabei geht es ihm nicht um eine Hyperästhetik, wie er betont, sondern darum, das Dargestellte „erlebbar zu machen“. So gelingt es ihm, spannende Optiken einzufangen, wie beispielsweise eine klassische Holz-Riva, die den Häuserschluchten von Hongkong Island in einem außergewöhnlichen Kontrast gegenüber steht. Dass seine Bilder keine Werbefotografien sein sollen, ist dem Künstler dabei wichtig und er betont, dass ca. 80% reine Beobachtung und Reportage-Fotografie seien. So ist beispielsweise sein Lieblingsmotiv, das in Band 3 der Edition erscheint, ein Schnappschuss in voller Fahrt, bei der der Kapitän zurückblickt und der Eindruck erweckt wird, der Fotograf stünde bei der Aufnahme im Wasser. Doch auch viele kleine Details finden ihren Weg vor die Kamera und gerade dieser Detailreichtum der Boote macht RIVA für Tamm zu „Ikonen des italienischen Designs“. Jede Kleinigkeit ist genauestens durchdacht und wird exklusiv für diese Boote entwickelt und gefertigt. Die Passion und Ehre, die dabei von denjenigen entwickelt wird, die an den Booten arbeiten, steht der Carlo Rivas in keinster Weise nach. Und das will was heißen, denn von Carlo Riva kursiert die Anekdote, er habe mit einem Hammer so oft Zulieferware zerschlagen, bis sie seinen hohen Qualitätsansprüchen genügte…

Die Rolle als Statussymbol RIVAs, vergleichbar mit der der Ferraris in den 60ger und 70ger Jahren, rührt nicht zuletzt auch von den limitierten Stückzahlen her. Das häufigste Schiffsmodell wurde lediglich 1000 Mal gebaut, wovon heute ca. 50-70% noch existieren, und macht die Mahagoni-Sportmotorboote umso mehr zum Objekt der Begierde. Auch Olaf Tamm träumt von einer eigenen RIVA, ihm hat es insbesondere die zweimotorige RIVA Tritona angetan, denn für ihn gibt es ebenfalls kaum etwas Schöneres, als an einem warmen Sommernachmittag auf einer RIVA zu liegen, die schäumende Heckwelle vor Augen, den Sound des Bootes in den Ohren und mit dem Wind im Gesicht gen Horizont zu fahren…


Von: Martina Kliem